RICHTFEST ANTONIUSHAUS

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RICHTFEST ANTONIUSHAUS
Rede Bernhard Bramlage
Architekt BDA
im Juno 2022

Im Psalm 118.22 findet sich folgender Satz:

Der Stein, den die Bauleute wegwarfen,
weil sie ihn für unbrauchbar hielten,
ist zum Grundstein des ganzen Hauses geworden!

Wie passend für dieses schöne Haus am heutigen Tag. Seit über 120 Jahren steht es nun an diesem ehrwürdigen Ort, in unmittelbarer Nachbarschaft zur St. Suitbertus-Basilika. Viele Jahrzehnte hat es den Menschen gedient, es war, als Krankenstation und Ärztehaus, Teil des Marienkrankenhauses. Inzwischen ist dessen Bestimmung erloschen, die Kranken und das Pflegepersonal sind seit 3 Jahren ausgezogen; es werden in den nächsten Jahren große Veränderungen stattfinden.

Als die Kirchengemeinde seinerzeit auf mich zukam, da habe ich mit Freude den Auftrag angenommen, in diesem alten Gemäuer das neue Gemeindezentrum bauen zu dürfen. Ich halte es eben ganz und gar nicht für unbrauchbar, es hat immer gute Dienste geleistet, warum sollte es dies nicht auch weiterhin können?

Das Antoniushaus ist ein typisches Kind seiner Zeit, seine Architektur entspringt gestalterisch dem Geist des ausgehenden 19.JH.
Eine Gotische Minuskel mit den röm. Zahlen A DOM MDCCCLXXXXVII
(Anno Domino 1897) verweist auf das Erbauungsjahr der Gebäudehülle, die Fertigstellung des Hauses war dann im Jahr 1899.
Die Einflüsse der englischen Arts and Craft-Bewegung sind unverkennbar. Schiefer, Holz, Naturstein, Fachwerk, einige Türmchen und Erker, dazu wunderbar farbige Fliesenmuster, einiges hat die Zeit überdauert. Auch wenn die Anforderungen der modernen Medizin dazu führten, im Innern weitestgehend neu zu bauen, so sind die noch erhaltenden Bauteile schützenswert und besonders.

Der Anspruch meines Architektenteams war es immer, Gutes und Brauchbares zu erhalten und zu schützen, immer zu fragen: muss es weg - oder kann es bleiben. Dies ist sehr zeitgemäß und zukunftsorientiert.

Dieses Haus soll nicht nur funktionieren, sondern es soll seine Geschichte erzählen, und es soll der Ort werden für Alle, die hier am Ort Teil der Gemeinde sind oder es vielleicht werden wollen, ein Ort für Begegnung, für Gesang und Gemeinschaft, für ein gutes Miteinander.


RP Zeitung
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