Venedig Biennale 2017 – Reisebericht

Alle zwei Jahre, wenn an den Schauplätzen der Biennale di Venezia etliche Länder mit ihren Pavillons in künstlerischen Wettstreit treten, sind die Augen der gesamten Kunstwelt auf die Serenissima gerichtet. Seit 1859 findet die Ausstellungsreihe in den Giardini statt, seit 1980 im Wechsel mit der Architekturbiennale; damit ist sie die älteste Biennale der Welt. 2017 wurde die zentrale Ausstellung der 57. Ausgabe von Christine Macel kuratiert, Thema: »Viva Arte Viva«

Schwerpunktmäßig wird in den Giardina ausgestellt, seit 1999 auch auf dem hervorragend restaurierten Arsenalegelände, darüber hinaus auf etlichen anderen Ausstellungsflächen, über die gesamte Stadt verteilt in Palästen, Kirchen, Ausstellungsräumen.  Dabei ist die Fülle der Exponate kaum zu überschauen, eine intensive Auseinandersetzung braucht Tage, Wochen. Als Beifang finden sich neben den offiziellen Veranstaltungen und Ausstellungen weitere hochinteressante Projekte, zum Beispiel die hervorragende Ausstellung zu den Arbeiten Werner Bischofs im Palazzo The Oci auf der Guidecca.

Werner Bischofs Reisebilder gehören zu den beeindruckendsten Reportagen des 20.JH. Hier der große FLW im Jahr 1951.

 

Nicht alles auf der Biennale ist gut, vieles sogar ausgesprochen schlecht, für die würdige Beurteilung der Arbeiten kommt erschwerend hinzu, dass es ob der schieren Fülle zu Ermüdungserscheinungen und Abneigung beim Besucher führt. Hier wäre durchaus auch die Frage zu stellen, ob eine Beschränkung und eine qualitätvollere Auswahl der gesamten Veranstaltung nicht gut täte, hat doch so mancher Beitrag kaum das Zeug, das Niveau einer Meisterklassenarbeit zu erreichen.

Der nachfolgende Fotobericht zeigt ausschnitthaft im Wechsel mit Momentaufnahmen der Stadt einen Querschnitt der diesjährigen Veranstaltung.

Der Goldene Löwe des Jahres 2017 ging an Franz Erhard Walther.

 

Die Arbeiten von Michel Blazy  – Bücher in Wasser, Schuhe mit wuchernden Pflanzen.

 

Vajiko Chachkhiani – georgisches Holzhaus

Ein verlassenes Holzhaus aus einer ländlichen Gegend Georgiens ist mit allen Möbeln und Alltagsgegenständen abgebaut und im Arsenale wiedererrichtet worden. Im Haus simuliert ein geschlossener Wasserkreislauf permanenten Regen, der durch die Decke dringt.

 

Lisa Reihana: The pursuit of Venus, infected; ein Film in Endlosschleife, bis zur Wiederholung ca. 32 Minuten lang, zeigt die auf ein fortlaufendes Wandgemälde digitale einmontierten Entdecker der Welt, wie sie sich den neuen Welten nähern, wie sie in Kontakt mit den Ureinwohnern treten.

 

Bedrohlich, mystisch, Urängste weckend: der italienische Pavillon mit Arbeiten von Roberto Cuoghi – Christuskörper

 

Eine touristisch weitgehend unentdeckte Ikone abendländischer Kunst findet sich, versteckt in der Chiesa di San Pantaleone Martire, im Bezirk Dorsoduro. Sie liegt am gleichnamigen Campo und ist dem Heiligen Pantalon gewidmet. Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist das Deckengemälde von Gian Antonio Fumiani, das das Martyrium und die Apotheose des Namenspatrons darstellt. Es handelt sich dabei nicht um ein Fresko, sondern um eines der größten Leinwandgemälde der Welt. Von 1680 bis 1704 arbeitete Fumiani an dem Werk, das aus etwa 40 aneinander gefügten Leinwandbildern besteht.

 

Carlo Scarpa / l’area d’ingresso della facoltà di architettura,