Metz – Lothringens Haupstadt mit deutschen Wurzeln, heute Zentrum zeitgenössischer Kunst

Die Stadt Metz mit ihrer uralten Geschichte bietet Vielfältiges für jeden Geschmack. Unser Interesse galt jedoch vor allem zwei Bauwerken, die heute das Gesicht der Stadt prägen und ihre Anziehungskraft ausmachen: die Kathedrale und das Centre Pompidou. Interessanterweise bilden beide Bauten Raum für ähnliche Anforderungen, sind sie doch, jeder auf seine Weise, gleichsam Hülle für das Schöne und Staunenswerte, das Erhabene und Inspirierende. Saint-Étienne, zwischen 1220  und 1520  erbaut, gehört zu den monument historique und damit zweifelsohne zu den schönsten und bedeutendsten Kathedralen Frankreichs. Der Bau schöpft seine Kraft vor allem aus der Höhe des Mittelschiffs, dessen Proportion im Verhältnis zur Länge ausserordentlich spannungsreich geraten ist. Die überbordende Zahl von Fenstern, einige davon von Chagall entworfen, im Zusammenspiel mit den hoch aufragenden gotischen Säulen erzeugen ein Lichtmeer in mannigfaltigstem Farbspiel. Wenn auch die Chagallfenster heute die berühmteren sind, so sind vor allem die mittelalterlichen Fenster von überzeugenderer ikonographischer und gestalterischer Qualität.

 

Das Centre Pompidou Metz ist ein Ableger des gleichnamigen Centre George Pompidou in Paris und teilt mit diesem Konzept und Sammlung zeitgenössischer Kunst. Erbaut von dem japanischen Architekten Shigeru Ban liegt es unmittelbar hinter dem Bahnhof, inmitten einer inzwischen ganz neu entwickelten Stadterweiterung mit Büros, Wohnungen, Kongresszentrum und weiteren Einrichtungen. Unter einem weingespannten Flechtwerk aus Schichtholz, abgedeckt durch eine semitransparent Membran, liegen drei übereinander gestapelte und untereinander verschobene Ausstellungstubes. Die Eingangshalle kann bei gutem Wetter geöffnet werden, innerhalb des Gebäudes gelangt man immer wieder auf Terrassen und Balkone, die unter der Dachhaut nach außen orientiert sind. So spektakulär der Bau anmutet, so fragwürdig ist allerdings auch seine Umsetzung. Neben den teilweise liederlichen Details der Ausführung und den gelegentlich fragwürdigen architektonischen Zaubereien drängt sich dem Besucher der Eindruck auf, hier sollte mit aller Macht ein architektonisches Bonbon geschaffen werden. Das tut dem Bau keinesfalls gut, weniger wäre wohl mehr gewesen. Dennoch, in Summe ein großer Gewinn für die Stadt und als kulturelles Zentrum ein Gewinn für die gesamte Region. Davon zeugen die exzellenten Ausstellungen, und die zur Zeit laufende über japanische Architektur nach 1945 steht dabei in guter Tradition. Eine herausragend kuratierte Zusammenstellung zeitgenössischer japanischer Kunst ergänzt das Programm, szenografiert von SANAA. In der Ausstellung findet sich eine Arbeit von Kohei Nawa mit dem Titel „Force“, dazu ist diesem Beitrag neben einigen Fotos ein Video eingefügt.

Kohei Nawa schreibt zu seiner Arbeit:

FORCE is an installation work that provides a visualization of the force of gravity via the interaction between gravity and a liquid with carefully computed qualities.

Black silicone oil, engineered to achieve the required viscosity, streams constantly from the ceiling under the influence of gravity, forming a black pool on the floor and blurring the distinction between the characteristics of solids and liquids as if it were a sculpture transformed into a liquid.

The tightly configured space places the viewpoint in the interface between time, space, and matter, giving us a direct awareness of the reality of our existence within a continuous series of actual moments.

Video Force, von Kohei Nawa