Kanzlerbungalow in Bonn

Der in den 1960er Jahren von Ludwig Erhard in Auftrag gegebene, und von Architekt Sep Ruf erbaute „Kanzlerbungalow“ diente von 1964 bis 1999 als Wohn- und Repräsentationsgebäude des Bundeskanzlers.

Die Gebäudeform setzt sich aus zwei zueinander verschobenen Quadraten mit jeweils einem Atriumhof zusammen. Die schlanke Stahlskelettkonstruktion mit Flachdach erschafft einen Innenraum, der schlicht und geordnet wirkt. Der Einsatz vieler Glasflächen greift das Thema der Transparenz auf – das grade auch im Blick auf die Aufgabe ihrer Bewohner nicht an Aktualität verliert –  und verbindet Innen- mit Außenraum. Um seiner Funktion gerecht zu werden, erhielt der Kanzlerbungalow die benötigte Flexibilität der Innenräume durch versenk- und verschiebbare Wände und wurde mit einer Innenausstattung aus qualitativ hochwertigen Materialien versehen.

Während Ludwig Erhard sich zu dem Gebäude positiv äußerte: „Sie sehen hier das Haus so gebaut […] in der Ausstattung, in der Anordnung, wie es dem Wesen meiner Frau und mir gemäß ist.“, war nicht jeder Bundeskanzler mit dem Bauwerk so zufrieden wie Erhard. Seinem Vorgänger, Konrad Adenauer, wird die Äußerung „Ich weiß nicht, welcher Architekt den Bungalow gebaut hat, aber der verdient zehn Jahre.“ zugeschrieben.

Das Gebäude wurde über die Jahre kontrovers diskutiert, und auch nicht von jedem Kanzler zu privaten Wohnzwecken genutzt. Der offizielle Teil allerdings diente oft zur Ausrichtung von Empfängen, als Gästehaus oder als Ort für entscheidende Gespräche mit anderen Staatsrepräsentanten. Gäste waren z.B. Michail Gorbatschow, Charles de Gaulle, Richard Nixon oder auch Musiker wie Udo Jürgens.

Das Mobiliar änderte sich mit der Zeit, da es dem Geschmack der jeweiligen Bewohner angepasst wurde. Zuletzt wohnte Helmut Kohl fast 17 Jahre dort. Nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin 1999 stand das Gebäude leer, wurde 2001 unter Denkmalschutz gestellt, und später saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute befindet sich eine kleine Ausstellung in den Räumen, die man kostenfrei im Rahmen einer Führung besuchen kann. Die meisten der Innenräume haben ihren ursprünglichen Charme behalten, und lassen, grade wenn Sonnenlicht durch die großen Fensterfronten einfällt, eine ganz eigene, Ruhe ausstrahlende, fast andächtige Atmosphäre entstehen, die es dem Besucher ermöglicht, sich der geschichtsträchtig des Gebäudes bewusst zu werden.

Einzelheiten zum Besuch erhält man beim Haus der Geschichte in Bonn.

 

NH, Mai 2019