Exkursion Baskenland vom 2. bis 5.5.2018

Das Baskenland liegt im Nordosten Spaniens, an der Grenze zu Frankreich, mit Ausläufern in den französischen Südwesten. Die Landesgrenze wird gebildet von den Pyrenäen, allerdings verstehen sich die Basken als Einheit mit ihren französischen Landsleuten. Das Baskische ist eine sogenannte isolierte Sprache, vermutlich eine der ältesten europäischen, und mit keiner der indogermanischen oder romanischen Sprachen verwandt. Folglich sehen und fühlen sich die Basken als die legitimem Ureinwohner Spaniens, haben ein hohes Eigenständigkeitsgefühl und viele Jahrhunderte versucht, diese zu bewahren. Die ETA hat nach dem Ende der Diktatur ihre Widerstandsarbeit dem demokratischen Nachfolgesystem zugewandt und erst jetzt ihre Auflösung offiziell erklärt. Der Menschenschlag hier unterscheidet sich durchaus von den angrenzenden Regionen, er zeichnet sich aus durch Arbeitsamkeit, Fleiß, Mut bis zur Überheblichkeit, aber eben auch ein hohes Maß an Effizienz und wirtschaftlicher Prosperität. Geringste Arbeitslosigkeit zum Rest Spaniens, wirtschaftliche Stärke, hohe Zuverlässigkeit und Strebsamkeit. Der Reisende, der mediterranes Laissez-fair vermutet, wird bald eines Anderen belehrt. Schon die Natur ist anders als erwartet: im Norden das kantabrische Meer, im Hinterland die Ausläufer der Pyrenäen in das Kanatbrische Gebirge, grün, fruchtbar, und vor allem klimatisch der rheinischen Tiefebene ähnlich. Die Winter sind etwas milder, die Sommer mit Durchschnittstemperaturen wie im Rheinland, im Schnitt ist jeder 4-5 Tag ein Regentag; die Kleidung war fast zu sommerlich für diese Zeit, es regnete, stürmet und hatte selten Temperaturen über 15°. Was uns Nordländer gelegentlich störte, die Spanier genießen diese Region im Norden ihres Landes. Vor allem San Sebastia ist ein Sommerurlaubsort seit über 150 Jahren. Entsprechend ist die Atmosphäre: Belle Époque allerorten, gemischt mit Mittelalter und Moderne, gelegen an der muschelförmigen Bucht ‚La Concha‘, bis heute beliebte Sommerfrische reicher Spanier, die hier prächtige Villen und Stadtwohnungen besitzen.

 Skulpturengruppe „Peine del viento“ von Eduardo Chillida und Pena Ganchegujʼ

Wetter am Strand von San Sebastian

Arkaden der Plaza de la Constitución, früh am Morgen

 

Museum San Telmo: als schmaler Riegel nutzt der Erweiterungsbau des San Telmo-Museums die Restfläche zwischen den Bestandsgebäuden und dem Monte Urgull. Seine begrünte Fassade aus eigens gefertigten Aluminiumplatten vermittelt zwischen Stadt-und Naturraum. Herausragend!

Architekten: Nieto Sobejano Arquitectos, MadridFuensanta Nieto, Enrique Sobejano

 

Als einziges Gebäude vor der Promenade, direkt am Strand gelegen, hat Raphael Moneo das Kurhaus errichtet, ein Kultur- und Tagungszentrum mit Konzertsaal und angegliedertem Restaurant Ni Neu

 

Weitgehend unbekannt, ein kleiner Teil der Rioja gehört zum Baskenland, und viele bekannte und teils berühmte Bodegas finden sich dort. Als vor Jahren die Bodega Campo Viejo in Logronp eine Erweiterung brauchte, ließ sich das an dem alten Standort nicht durchsetzen. Man ging vor die Stadt, verpflichtete einen bekannten Architekten, einen Moneoschüler, und baute eine spektakuläre Anlage in eine natürliche Senke. Von den Baumassen ist kaum etwas sichtbar, befindet sich doch der überwiegende Teil unter dem Terrain.

Die Bodega gehört zu den größten Europas, produziert im Jahr 30 Millionen! Flaschen Wein, bewirtschaftet selbst ca. 300 ha und wird von den umliegenden Weingütern mit etwa insgesamt 2.000 ha mit Weintrauben beliefert. Der Betrieb ist auf dem neuesten Stand der Weintechnik, 70.000 Fass Barrique mit je 225 Litern Wein liegen ständig in den unterirdischen Kellern und harren ihrer Abfüllung.

6 Millionen Flaschen lagern in den unterirdischen Hallen

Modernste Weinindustrie

Herausragend die Idee, Betonrippendecken nicht nur für das Dach, sondern auch als Wandkonstruktion zu nutzen

 

Die Bodega Baigorri verfolgt ein ganz anderes Konzept, setzt auf Qualität statt Quantität und produziert hochwertige Weine, vom Rosé über barriqueausgebaute Weißweine bis zu edelsten Gran Reservas. Das architektonische Konzept folgt einer ähnlichen Idee, die Hallen liegen unter der Erde, allerdings terrassiert in das Gelände eingebettet. Etwa 500.000 Flaschen verlassen pro Jahr die Bodega und werden in alle Welt geliefert. Auf sieben Levels staffelt sich der Bau nach Süden in die Landschaft.

Didaktisch gut aufgebaut kann der Weintourist, ohne die Produktion zu stören, auf einer langen Rampe diese Terrassen hinabsteigen und gelangt am Schluss über einen breiten Steg zum Highlight der Anlage, dem hauseigenen Restaurant. Dort wird gegessen und vor allem Wein getrunken.

 

Nur von aussen besichtigt, die Bodega Ysios von Santiago Calatrava, Überwältigungsarchitektur einer Diva.

 

Die Bodega Marques des Riscal, das wohl bekannteste der Weingüter der Rioja hat ihre Marke durch ein Hotel des Stararchitekten Frank O. Gehry für den Reisenden sichtbar gemacht, zugängig nur dem erlauchten Kreis, der sich ein Luxuswochende im Hotel leisten will.

 

Von ganz anderer Qualität ist das archäologische Museum Vitoria von Francisco Mangado. Hier hat es der Architekt auf behutsam zurückhaltende Art verstanden, jenseits von Weltverbesserungsambitionen ein Kleinod in ein mittelalterliches Ensemble einzuweben. Nach Aussen diskret und doch selbstbewußt, entfaltet diese Haus seine Qualität über den innenliegenden Hof und die elegante Treppenanlage, die hinter einer Fassade aus bronzierten Blechlamellen und Glas die höhlenartigen Ausstellungseben erschließt. Leider folgt die Ausführung im Detail nicht dieser hohen Ambition, gleichwohl, ein hervorragendes konzeptionelles und architektonisch anspruchsvolles Projekt.

Artefakte der Ausstellung

Arkaden in Vitorias Altstadt

 

Bilbao, einstmals das hässliche Entlein Spaniens, hat innerhalb der letzten 30 Jahre einen unvergleichlichen Wandel vollzogen. Hier kann man vorbildlich eine mutige, visionäre Stadtentwicklung erleben. Politik, Bürger, Industrie und Wirtschaft haben in gemeinsamer Anstrengung einen Wandel herbeigeführt, über 1 Millionen Touristen jährlich geben davon Zeugnis. Sichtbares Aushängeschild sind die spektakulären architektonischen Ankerpunkte innerhalb der Stadt.

Allen voran das so genannte Guggenheimmuseum, das in Wahrheit den Namen „ausgeliehen“ hat und für viele Millionen jährlich eine Art Partnerschaft mit dem Mutterhaus in NY eingegangen ist. Man teilt sich Ausstellungsware und natürlich den Brand. Dennoch, bei aller Kritik, hier hat Architektur einmal mehr gezeigt, was möglich ist.

 

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