Drei Ausstellungen – Devotionalien des Eigensinns

 

Aus der Website des Josef Albers Musum Quadrat Bottrop:

Axel Hütte. Frühwerk

Axel Hütte, der zu den ersten Studenten von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf gehörte, ist durch vielfache Ausstellungen weithin bekannt. Weniger hingegen weiß man von den Anfängen seines Werks und deren ästhetischen Schwerpunkten. Bereits früh entwickelte Hütte eine eigenständige Bildvorstellung, die ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren hat.

Die Ausstellung Frühwerk widmet sich dieser Zeit, den Jahren von 1978 bis 1995. Neben Portraits von Kollegen in Düsseldorf und Köln, die hier erstmals in größerem Umfang vorgestellt werden, interessierten Hütte damals insbesondere architektonische Formationen, wie Treppenhäuser und Flure in Mietshäusern der Nachkriegszeit, U-Bahnhöfe in Berlin, Gebäude und Plätze in London, Venedig und Paris; schließlich Landschaften in Italien, denen durch Fragmente von Architektur eine besondere Ordnungsdimension eingeschrieben wird.

So verschieden die Orte dieser Fotografien sind, zeigt sich in ihnen doch ein gemeinsames Darstellungsinteresse. Hütte geht es in der Architektur um eine Sicherheit der Form. Sie ist gekennzeichnet durch Geschmack und Stil und wird zum Zeichen einer Intensität, die die konkrete Gegebenheit übersteigt. Diese Architektur steht für einen ausdrücklichen Stilwillen, eine fraglos verbürgte historische Norm. Die Fotografien antworten hierauf mit einem gebremsten Ausdruck, der Vermeidung aller lauten sinnlichen Reize. Aus dieser Klarheit des Blicks entsteht ein verhaltenes Pathos. Die Disziplin der Form lässt Stil zum Ethos werden.

Zeitlich parallel zur Ausstellung in Bottrop zeigt das Museum Kunstpalast in Düsseldorf unter dem Titel Night and Day Landschaften und urbane Blicke Hüttes aus sieben Kontinenten von 1995 bis heute. So ermöglichen beide Ausstellungen einen Überblick der Entwicklung des Fotografen.

 

Aus der Website des Folkwang Museum Essen:

Alexander Kluge

Pluriversum

Alexander Kluge versteht sich selbst als Autor. Mit Filmen, Texten, Interviews und vielem mehr inspiriert er seine Leser, Zuhörer und Zuschauer. Anlässlich seines 85. Geburtstags präsentiert das Museum Folkwang eine umfassende Ausstellung, die den Kern seines multimedialen Werkes sichtbar macht.

Kluge knüpft Zusammenhänge und erforscht durch sie, was den Menschen zum Menschen macht, worin sein Eigensinn und seine Unterscheidungsfähigkeit liegen, inwiefern Geschichte und Geschichten in uns lagern, welche gefühlten und welche tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten wir haben und warum unsere Lebenszeit eine Währung ist.

Aus Bildern, Texten und Objekten bildet Alexander Kluge immer neue Konstellationen, deren Sinn oder Widersinn maßgeblich durch die Montage entsteht. In deren Zwischenräumen lässt Kluge die Phantasie des Zuschauers und Zuhörers keimen. Zentral sind für Kluge die Verbindungen zwischen Emotion und Verstand, unablässig spürt er das Theoretische im Alltäglichen auf und vermischt „Facts & Fakes“.

Eigens für die Ausstellung sind zahlreiche neue Filme entstanden, so die 5-Kanal-Projektion Pluriversum, die um die Filmgeschichte kreist. Zum ersten Mal gewährt Kluge zudem Einblicke in sein umfangreiches Archiv kurzer Filmsequenzen, aus dem er für neue Filme schöpft.
Die Präsentation widmen sich Kluges Kernthemen wie der Lebenszeit, dem Zirkus oder dem Cross Mapping. Biografische Besonderheiten und unwahrscheinliche Zufälle stehen dabei immer wieder neben umfassenden Themen wie dem Universum, der Evolution, der Liebe, dem Krieg und anderen Katastrophen.

Als promovierter Jurist kommt Kluge in den späten 1950er Jahren zur Philosophie und wird in den frühen 1960ern gleichzeitig als Filmemacher und Schriftsteller bekannt. Seit 1988 bis heute hat sich Kluge mit den Fensterprogrammen im Privat-Fernsehen das wohl wichtigste Massenmedium der letzten Jahrzehnte zu Eigen gemacht. Er veröffentlicht DVD-Editionen, Hörspiele und vieles anderes und installiert seit einigen Jahren seine Filme auch als Installationen im Raum.

Zusammenhänge entstehen bei Kluge durch Zusammenarbeit und Zusammen-denken, er denkt mit Fritz Lang, mit Oskar Negt, mit Hannelore Hoger, mit Helge Schneider, mit Gerhard Richter, mit Thomas Demand und vielen anderen. „Ohne von anderen Gestirnen beleuchtet zu werden, leuchtet mein Mond nicht“, erläutert Kluge. So setzt er in der Ausstellung auch Werke anderer Künstler wie Kerstin Brätsch oder Sarah Morris in Beziehung zu seinen Filmen.

Integraler Bestandteil der Ausstellung ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, welches das Zusammendenken im Klugeschen Kosmos performativ erfahrbar macht. Das begleitende Programm ist – wie auch die Ausstellung – in enger Zusammenarbeit mit Alexander Kluge entstanden.

Aus der Website des Folkwang Museum Essen:

Balthasar Burkhard

Wie kaum ein anderes reflektiert Balthasar Burkhards Werk die Selbsterfindung eines Fotografen und berichtet von der künstlerischen Karriere des Mediums Fotografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die 150 Werke und Werkgruppen umfassende Retrospektive Balthasar Burkhard ist die erste große museale Würdigung Burkhards in Deutschland und zeichnet das facettenreiche Schaffen des Schweizer Fotografen etappenweise nach. Den Kern seines künstlerischen Schaffens bilden Monumentalität, Fragmentierung und die Überschreitung des Mediums Fotografie durch die Übertragung eines zweidimensionalen Bildes in raumgreifende Installationen.

Die Schwarz-Weiß-Fotografie erlernt Burkhard in den 1960er Jahren in der Lehre bei Kurt Blum, einem der bekanntesten Schweizer Fotografen seiner Generation. Burkhard knüpft Kontakt zur vitalen Berner Kunstszene dieser Jahre und wird Wegbegleiter des wegweisenden Kurators Harald Szeemann, an dessen Seite er unter anderem die documenta von 1972 festhält. Erstmals sind Burkhards Fototagebücher dieser Zeit in einer umfassenden Zusammenschau zu sehen. Vom Chronisten der Kunstwelt emanzipiert sich Balthasar Burkhard bald selbst als Künstler: mit Markus Raetz entwickelt er 1969/70 erste eigenständige Werke als großformatige Fotoleinwände.

Weitere Tableaus auf Leinwand entstehen in den 1970er Jahren in Chicago, wo Balthasar Burkhard einen Lehrauftrag an der University of Illinois übernimmt.

Anfang der 1980er Jahre kehrt Burkhard zurück in die Schweiz, wo seine Werke in heute legendären Ausstellungen in der Kunsthalle Basel (1983) und im Musée Rath (1984) gezeigt werden. Die Auseinandersetzung mit dem Körper – als menschliche Landschaft oder als Fragment – nimmt fortan einen großen Stellenwert in seiner Arbeit ein. In der Retrospektive wird Burkhards Werkgruppe der Akte und Körperfragmente, anhand des erhaltenden Materials in Form von Studien und Skizzen und mit Hilfe von Nachdrucken, wieder sichtbar.

Das Spätwerk des Fotografien, das Architekturfotografie ebenso umfasst wie Luftaufnahmen von Städten und Wüsten sowie Pflanzenstudien im Stil des 19. Jahrhunderts bilden den Schlusspunkt der Ausstellung.