Rheinhochwasser im Januar 2018

Unser Büro liegt in sichtbarer Rheinnähe im Düsseldorfer Norden. Im Winter sehen wir die Schiffe ziehen, im Sommer sind sie fast gänzlich hinter einem grünen Vorhang verborgen. Gelegentlich, nach der Schneeschmelze oder nach starkem Regen kämpfen die Rheinanlieger mit Hochwasser. Berühmt sind die Hochwasser der Jahre 1995 und 1998, die wir auch selbst hier schon miterlebt haben. Aber auch Pegelstände wie in diesem Januar sind ein Naturereignis von angsteinflößender Schönheit, nicht nur, weil sich eine Auenlandschaft nach und nach in ein Meer verwandelt, sondern auch, weil bei Hochwasser der Rhein in seine alten Arme zurückfließt. Plötzlich wird der natürliche Verlauf dieses größten deutschen Flusses sichtbar. Und es erklären sich manche auf den ersten Blick unscheinbare Dinge. In den Rheinauen vor unserem Büro stehen alte Silberpappeln. Diese sind einige hundert Jahre alt und haben nun ihr Lebensalter erreicht. Viele sind inzwischen bei Herbststürmen umgefallen, einige wenig stehen dort und trotzen dem natürlichen Lauf der Dinge, es sind Baumriesen von eigener morbider Schönheit. Aber diese Bäume haben dort keinen natürlichen Standort, sie wurden von den napoleonischen Besatzern Anfang des 19.JH entlang der alten Rheinarme gepflanzt. Dabei verfolgten die Franzosen unterschiedliche Ziel. Einerseits sollten die sumpfigen Rheinwiesen trockengelegt werden, dazu dienten die Pappeln als herausragende Feuchtigkeitsnehmer. Andererseits sollten die Truppen Bonapartes im Sommer im Schatten marschieren, aber auch die Treidelschifffahrt wurde durch die Baumreihen optimiert. So sind diese Bäume heute noch Zeugen der bewegten Vergangenheit, der Fluss ist längst begradigt, aber manchmal, da holt die Natur sich das zurück, was ihr durch den Menschen genommen wurde. Die Fotos wurden über die letzten drei Tage aufgenommen, der Film am Ende zeigt ein vorbeiziehendes Lastschiff am vergangenen Sonntagmorgen.

 

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