Beinhaus am Stiftplatz

Zurück zum Projekt

Das ehemalige Beinhaus des Stiftsfriedhofs auf der Rheininsel Kaiserswerth gehört mit seiner bewegten Baugeschichte nachweislich zu den ältesten Kanonikerhäusern am Stiftsplatz. Untersuchungen des Landeskonservators belegen, dass die frühesten Bauteile romanischen Ursprungs und damit aus dem 12/13. JH stammen. Der Bautyp des Beinhauses oder Karners, eher im süddeutschen oder mediterranen Raum beheimatet, findet sich heute kaum noch in dieser Regionen wieder. Vermutlich handelt es sich bei diesem Gebäude um die ehemalige Friedhofskapelle der angrenzenden Grablege der Stiftsimmunität Kaiserswerth, später als Schädel- und Knochenhaus genutzt und erst im 18. JH säkularisiert. Bei der Sanierung konnten historische Zugänge aus dem Gewölbekeller des Hauses in unterirdische Gänge freigelegt werden, die vermutlich in ehemalige Gruften auf dem Friedhof führten.

Zugang zum historischen Gewölbekeller und den angrenzenden Gruften

Ursprünglich freistehend, erfuhr das Gebäude über die Jahrhunderte umfassende Umgestaltungen und Erweiterungen. Nach der Zerstörung im spanischen Erbfolgekrieg 1702 wurde das Beinhaus zum Kanonikerhaus umgewandelt und 1729 eine bauliche Anbindung an den Immunitätsturm hergestellt. In umfassenden Untersuchungen durch den Landeskonservator wurde die Historie und bewegte Baugeschichte des Hauses sichtbar gemacht.

Bauphasen zwischen 12. und 20. JH – interessant ist die sichtbare ehemalige Gebäudehöhe (gelb) des ehemals eingeschossigen Raums, vermutlich nur mit einer Tür ausgestattet. Deutlich sichtbar auch die verschiedenen Eingriffe in die Fassaden nach dem 16. JH.

In der Überlagerung sind die Flächen ablesbar, die heute verschlossen sind.

 

Bestandsdokumentation der Bauphasen, Überlagerung mit dem heutigen Zustand und Fassade nach Sanierung

Eine wertvolle Kölner Decke mit aufwändigen Stuckaturen sowie eine Barocktreppe und der Hauseingang mit dem lateinischen Chronogram stammen aus dieser Bauphase.

Die Kölner Decke stammt aus der Zeit nach 1702, dem Ende des spanischen Erbfolgekriegs.

Die Treppe ist ebenfalls in der Zeit um 1730 entstanden.

Im 19. JH hat eine Familie Borg das Haus bewohnt und die Flächen des heutigen Marienkrankenhauses landwirtschaftlich bestellt. Zuletzt als Schreinerei und Lagerhaus genutzt und weitestgehend verfallen – es sollte abgerissen werden – wurden Gebäude und Immunitätsturm 2002-2003 umfassend restauriert und als Wohnhaus wieder hergerichtet.

der letzte Eigentümer der Familie Borg auf einem handkolorierten Foto Anfang des 20. JH.

Das Haus zur Zeit der Familie Berg, deutlich sichtbar die angrenzenden Bauten des landwirtschaftlichen Betriebes.

Die historische Mauer existiert heute nicht mehr, Reste sind noch am Turm und der linken Hauswand sichtbar.

Archivfotos aus der Zeit um 1900, das Haus war zu dieser Zeit von einer großen Familie bewohnt!

Beitrag Karl Matthias Berg, Beitrag im  Jahrbuch Wittlaer:

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Oben

Zurück zum Projekt